Mitarbeiterdiebstahl und Interne Revision Teil 1: Einführung

Mitarbeiterdiebstähle sind eine Form von Wirtschaftskriminalität, auf die ein Augenmerk der Internen Revision zu legen ist. Unabhängig von der Tatsache, dass dies in der Regel nicht komplexe, weil mit Verschleierungshandlungen verbundene Fraudschemata sind, können die Schäden durch mangelnde Kontrollen immens sein.

Nach einem Überblick findet sich im zweiten Teil, der sich in dem geschützten Teil der Datenbank befindet, auch ein Praxisbeispiel sowie einige Hinweise für die Interne Revision zur Prävention von Diebstählen.

 

Diebstahl durch Mitarbeiter

 

Begriff

Unter Diebstahl verstehen wir alle Fraudschemata, bei denen sich Mitarbeiter unbares Vermögen eines Unternehmens widerrechtlich aneignen. Hierbei ist es unerheblich, ob das Vermögen aus Produktionsmaterial, Halb- oder Fertigprodukten besteht oder sonstiges Vermögen gestohlen wird, wie etwa Autos, Laptops usw.

Diebstahl im hier gemeinten Sinn ist der einfache Diebstahl aus dem Warenlager, wenn ein Mitarbeiter Waren vom Firmengelände verbringt, ohne zu versuchen, dies durch zusätzliche Handlungen, wie die Fälschung von Büchern oder Dokumenten, zu verschleiern.

 

Vorgehensschemata

Eine Variante ist das „Zur-Seite-Legen“ („Set-aside-scheme“). Dabei ist ein Mitarbeiter mit dem Versand von Waren an Kunden beschäftigt, legt dabei einige dieser Waren in seiner Nähe beiseite, um sie später wegzuschaffen. Wenn die Ware längere Zeit offen liegt und offensichtlich nicht versteckt wird, wird kein Kollege an illegale Handlungen denken.

Sollte eine Bestellung als unvollständig erkannt werden, schöpft niemand Verdacht, es war eben ein Versehen. In vielen Fällen in der Praxis merkt aber niemand, dass Bestellungen unvollständig abgewickelt wurden, so konnte der Täter die „übrig gebliebenen“ Waren für sich abzweigen. Sollten sich Kunden über unvollständige Lieferungen beschweren, schickt das Unternehmen die fehlenden Stücke nach, versäumt es aber meist, den Minderlieferungen auf den Grund zu gehen.

Bei Diebstahl von Waren denkt man unwillkürlich an mitternächtliche Treffen bei Lager-häusern und an Flucht-Lkws. In den meisten Fällen in der Praxis schreiten Täter aber während der Geschäftsstunden zur Tat, unter den Augen der Kollegen. Freunde und Bekannte werden vorerst davon ausgehen, dass ihre Kollegen – wie sie selbst – ehrlich und korrekt agieren. Wird ein Kollege dabei beobachtet, wie er etwas aus dem Büro nach Hause nimmt, wird meist angenommen, es geschehe aus gerechtfertigten Umständen (z.B. weil es via Home Office erledigt wird). Im Fall eines Vortragenden in der technischen Erwachsenenbildung sammelten sich mit der Zeit zahlreiche technische Geräte und Laborausrüstung an seinem Arbeitsplatz an, die bald den Besitzer wechselten.

Auch wenn Kollegen Malversationen bemerken, melden sie das nicht; das kann mehrere Gründe haben: falsch verstandene Freundschaft, Gefühl des Zusammenhalts „gegen die da oben“, Einschüchterung durch den Täter, nicht vorhandene Whistle-Blowing-Kanäle, oder Vorgesetzte „machen selbst mit“. In einem Fall beauftragte der Leiter eines Gemeinde-Bauhofs die eigenen Arbeiter mit der Installation von Klimaanlagen in den Häusern einiger wichtiger Bürger und auch seines eigenen. Seine Arbeiter zeigten ihn aber nicht an, weil es ihnen unter diesem Leiter nicht schlecht ging.

Täter sind oft mit Vertrauen ausgestattete Mitarbeiter. Dadurch öffnen sich diesen Personen oft erst die entsprechenden (Zutritts-)Möglichkeiten („Gelegenheit macht Diebe“) zu Safes, (Büromaterial-)Lagerräumen, Schlüsselkästen, IT-Räumen u.a. So fand auch ein langjähriger Mitarbeiter einer Baufirma Zutritt zum Ersatzteillager. Er sollte Teile zu Baustellen, wo diese Teile gerade benötigt wurden, bringen. Viele von ihnen wurden aber an andere Baufirmen verkauft. Aus Vertrauensgründen wurden zudem auch keine regelmäßigen Inventuren gemacht.

Beim Versuch, Waren physisch zu entwenden, könnte der Täter auf frischer Tat ertappt werden. Manche Täter vermeiden dieses Risiko, indem sie Gegenstände an Orte verschicken, wo sie sie später in Ruhe an sich nehmen können. So versandte ein Ersatzteilverantwortlicher in einer Softwarefirma Waren an Unternehmen, mit dem keine Geschäftsbeziehung bestand. Er rief dann an, erklärte, es sei ein Irrtum passiert, und dass er – natürlich selbst – die Waren wieder abholen werde.