Korruption im Unternehmen – Grundlagen

Eine gängige Definition für Korruption (von lat. corrumpere: verderben, beschädigen, bestechen; engl.: bribery) ist Missbrauch einer übertragenen Macht- oder Entscheidungsbefugnis in einer Funktion in Verwaltung, Wirtschaft oder Politik zum eigenen materiellen oder immateriellen Vorteil oder Nutzen, auf den kein Anspruch besteht.

Es wird versucht, auf Kosten anderer mit unlauteren Mitteln einen wirtschaftlichen Vorteil zu erlangen. Korruption bezeichnet Bestechung und Bestechlichkeit, sprich Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme. Die typischen Formen von Korruption sind: Bestechung, Interessenkonflikt, illegale Geschenke und wirtschaftliche Erpressung. Interessenskonflikten, Kick-Back-Zahlungen und dem deutschen Korruptionsstrafrecht sind jeweils eigene Forum Executives-Beiträge gewidmet.

Bestechung kommt dabei vor allem in zwei Formen vor: Kick-Back-Schemata und Manipulation von Ausschreibungen. Ein Kick-Back-Schema funktioniert z.B. wie folgt: In einem Fall wurde einer Führungskraft die Anschaffung von Anlagevermögen übertragen. Die erworbenen Güter waren von geringerer Qualität als ursprünglich vereinbart, was mangels detaillierter Qualitätsvorgaben nicht klar geregelt war. Die Differenz zwischen dem vereinbarten Preis und den geringeren Beschaffungskosten beim Lieferanten für die geringere Qualität gab der Lieferant als Kick-Back zum Teil an die Führungskraft zurück.

Zur Manipulation von Ausschreibungen kann es kommen, wenn sich mehrere Anbieter verabreden, Aufträge untereinander aufzuteilen und jeder Partner einen Anteil erhält, anstatt geheime Angebote abzugeben. So kann sichergestellt werden, dass jeder im Kartell früher oder später einen Auftrag erhält, weil jeweils die anderen preislich darüber bieten. Das ausschreibende Unternehmen wird durch den antikompetitiven Effekt der Manipulation geschädigt.

Wenn ein Täter z. B. eine überhöhte Rechnung eines Lieferanten akzeptiert, um eine Kick-Back-Zahlung zu erhalten, sprechen wir von Bestechung. Wenn derselbe Täter solche Rechnungen akzeptiert, weil er gleichzeitig am Lieferanten selbst beteiligt ist (und dies nicht offenlegt), liegt ein Interessenkonflikt vor.  

Illegale Geschenkannahme ist der Bestechung sehr ähnlich, nur ist oft der Versuch, eine Entscheidung zu beeinflussen, nicht direkt gegeben. Solche kleinen Gesten dienen der Klimapflege (im österreichischen Sprachgebrauch, aber auch unter forensischen Prüfern sehr treffend mit „Anfüttern“ bezeichnet), womit oft eine spätere Bestechung eingeleitet wird.

Wirtschaftliche Erpressung ist das Gegenteil von Bestechung: Anstatt dass der Lieferant eine Zahlung an einen Mitarbeiter leistet, um dessen Entscheidung zu beeinflussen, verlangt der Mitarbeiter von sich aus eine Zahlung vom Lieferanten, um eine Entscheidung in dessen Sinn zu treffen.

 

Folgen für Unternehmen

Die wichtigsten betriebs- und volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind: 

Durch  Korruption beeinflusste Entscheidungen werden nicht entsprechend betriebswirtschaftlicher Rationalität, sondern durch persönliche Interessen beeinflusst getroffen.

Damit werden oft nicht die nach Preis und Leistung am besten geeigneten Produkte und Dienstleistungen beschafft. Z.B. aufgrund von manipulierten Ausschreibungen oder durch die Einpreisung von Bestechungsgeldern überhöhte Preise und möglicherweise durch mindere Qualität verursachte Folgeschäden (z.B. Reparaturfälle und Gesundheitsschäden von Mitarbeitern) sorgen für überhöhte Kosten für solche Produkte und Dienstleistungen.

Das Unternehmen des Bestechenden entzieht sich durch die Bestechung dem Innovationsdruck des Wettbewerbs. Folge ist eine (weitere) Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit:  Die für Bestechungsgelder abgezweigten Ressourcen fehlen in der Erfüllung der eigentlichen Zielsetzung.

Gleichzeitig steigen langfristig die Kosten des Unternehmens, da es zukünftigen Bestechungs-forderungen (wirtschaftliche Erpressung) kaum ausweichen kann.

Da Korruption den Wettbewerb auf der Grundlage von fairem Preis bzw. fairer Qualität außer Kraft setzt, schädigt die dadurch auftretende Wettbewerbsverzerrung die integren Wettbewerber, verringert deren Markterfolg und kann dort Arbeitsplatzverluste nach sich ziehen.

Geldstrafen, Schadenersatzforderungen, Anwalts- und Gerichtskosten zwecks Verteidigung bei Aufdeckung verursachen weitere beträchtliche materielle Kosten. Das korrupte Unternehmen riskiert wirtschaftliche Folgeschäden, indem es z.B. von künftigen Vergabeverfahren ausgeschlossen wird und seine Attraktivität als Arbeitgeber verliert.

Viele integre Mitarbeiter geraten wegen der korrupten Geschäftspraktiken in persönliche Konflikte. Sie setzen deshalb wertvolle Energie und Gedanken bewusst oder unbewusst nicht für das Wohl des Unternehmens ein. Manche handeln gar gegen die Interessen des Unternehmens.

Mitarbeiter korrupter Unternehmen kündigen: Die negativen Konsequenzen für das Unternehmen sind Know-How-Verlust, im schlimmsten Fall sogar an Wettbewerber, Imageschaden, Aufwand für die Personalbeschaffung und -entwicklung usw.

Mitarbeiter korrupter Unternehmen entwickeln eigene Korruptionspraktiken: Dadurch werden sie schwer kontrollierbar.

Korruption verursacht also vielfältige Schäden. Es muss im Unternehmen alles getan werden, um ein "Untertunneln" zu verhindern.  Klitgaard et al. kleiden Korruption in folgende Formel:

C = M + D – A

Dabei bedeuten:

C = Korruption

M = Machtmonopol

D = Ermessen (-sfreiheit, discretion) und

A = Rechenschaftspflicht (accountability, transparency).

Besitzt jemand also ein Monopol über die Vergabe eines Guts oder einer Dienstleistung und die Ermessensfreiheit  zu entscheiden, wer in welchem Umfang dieses Gut bzw. diese Dienstleistung erhält, und gibt es keine Pflicht zur Rechenschaft, aufgrund der die Vergabeentscheidung nachvollzogen werden kann, besteht die Tendenz zu Korruption.   

Wesentlicher Faktor für eine wirksame Prävention im Unternehmen ist eine korrekte und auf präventive Transparenz basierende Unternehmenskultur. Auch Codes of Ethics erfüllen nur prima vista ihren Zweck und bewirken, auf sich alleine gestellt und nicht in ein adäquates Anti Fraud Management System eingebunden, nur wenig.