Kollusion - geschäftsgeschädigende Zusammenarbeit

Kollusion (von lat. collusio: geheimes Einverständnis) beschreibt in Betriebs- und Volkswirtschaft die Abstimmung des Vorgehens bzw. des Mitteleinsatzes zwischen rechtlich selbstständigen Unternehmen oder Personen. Man unterscheidet einerseits zwischen vertraglichen und nichtvertraglichen und andererseits  zwischen horizontalen und vertikalen Kollusionen.

 

Zur vertraglichen Kollusionen zählen Kartelle, Kooperationen und Allianzen. Zu nichtvertraglicher Kollusion (d.h. zu aufeinander abgestimmtem Verhalten) zählen z.B. die formlose Verständigung und das sog. (meist gut begründbare) Parallelverhalten, wie das z.B. bei Banken der Fall ist: Wer bei einer Bank keinen Kredit bekommt, wird ihn mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei der nächsten Bank nicht bekommen.

Horizontale Kollusion meint das (wettbewerbshemmende) Parallelverhalten in der Preisgestaltung, z. B. zwischen  Tankstellenpächtern. Ein so abgestimmtes Verhalten  führt i. d. R. zu Untersuchungen durch die Kartellbehörden. Vertikale Kollusion beschreibt z.B. Preisbindung und Preisempfehlungen bei Büchern („Buchpreisbindung“).

Der Ausdruck wird auch im Strafrecht verwendet, wenn mehrere Personen zusammen-wirken, um eine Straftat zu verüben bzw. sich vor ihrer Vernehmung abzusprechen (sich zu verabreden. Erfolgt Kollusion also mit der Absicht, Dritte zu schädigen, bedeutet es das unerlaubte Zusammenwirken mehrerer Beteiligter, das bewusste, meist heimliche Zusammenwirken mehrerer Täter im Unternehmen oder zwischen Unternehmen und Externen oder von Vertreter („Agent“) und Vertragspartner zum Nachteil des Vertretenen („Prinzipal“).

Mit Hilfe der Prinzipal-Agenten-Theorie lässt sich die Frage, ob der Einsatz von Anreizschemata für den Prinzipal (Vorgesetzten oder Unternehmer) vorteilhaft ist, oder ob die Gefahr der Schädigung durch Absprachen zwischen dem Agenten und Dritten dominiert, auf die Struktur des Gefangenendilemmas reduzieren. Demnach wäre die Teilnahme an Absprachen für den Agenten bzw. Mitarbeiter eigentlich nachteilig und eine Schädigung des Prinzipals damit ausgeschlossen.

Die Praxis zeigt aber, z.B. bei Kartellen, dass sehr wohl stabile Absprachen bestehen können. Hauptursache für die Abweichung zwischen der Prinzipal-Agenten-Theorie bzw. dem Gefangenendilemma und der Realität ist die Modellannahme, Agenten bzw. Mitarbeiter verhielten sich immer rational im Sinne angestrebter Gewinnmaximierung. 

 

Praktische Beispiele

Ein Fall von Kollusion liegt vor, wenn ein Geschäftspartner mit dem Prokuristen eines Unternehmens einen Vertrag abschließt und beide wissen, dass sie dadurch dieses Unternehmen schädigen.

Ein anderer Fall wäre, wenn ein Angestellter gefälschte Zeitaufschreibungen dem Vorgesetzten zur Unterschrift vorlegt, beide von der Schädigungswirkung wissen und sich den erlangten Vorteil aus den zu hoch bezahlten Beträgen teilen.

Kollusion in Form der unlauteren Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiter des einkaufenden Unternehmens und dem Lieferanten liegt vor, wenn der Lieferant eine fiktive oder eine überhöhte Rechnung an das einkaufende Unternehmen schickt und dessen Mitarbeiter dafür sorgt, dass diese Rechnungen akzeptiert und beglichen werden; für diese Unterstützung erhält der Mitarbeiter vom Lieferanten eine Gegenleistung.

Manager könnten ihre Vergütung im Verhältnis zu ihrem Arbeitseinsatz auch dadurch steigern, dass sie die Leistung ihrer Kollegen sabotieren oder sich untereinander absprechen und gleichzeitig ihre Anstrengungen reduzieren und dadurch auf Kosten des Prinzipals ihren Nutzen erhöhen.

Zu Absprachen kann es auch zwischen Anbietern bei Ausschreibungen kommen: Ein sog. Bieter-Kartell ist gegeben, wenn sich mehrere Anbieter verabreden, Aufträge untereinander aufzuteilen und jeder der am Kartell Teilnehmenden sich ein sicheres Stück des Kuchens erhält, anstatt geheime Angebote abzugeben. So kann sichergestellt werden, dass jeder im Kartell früher oder später einen Auftrag erhält, weil jeweils die anderen preislich darüber bieten. Das ausschreibende Unternehmen wird durch den  antikompetitiven Effekt der Absprache geschädigt.

 

Möglichkeiten zur Aufdeckung von Kollusion

Kollusion („gemeinsame Sache machen“) ist eine durch das betroffene Unternehmen besonders schwer zu beherrschende geschäftsschädigende Handlung, da in diesen Fällen die meisten Kontrollen des Internen Kontrollsystems versagen. Bei Zusammenarbeit der Täter nützt auch die Verteilung von Funktionen und Verantwortung auf verschiedene Personen nichts.

Möglichkeiten der Aufdeckung sind beispielsweise

  • der Einsatz von Whistleblowing-Instrumenten, mit denen sich Beteiligte offenbaren können
  • die Suche nach Beweisen bzw. Indizien in Form von Verträgen oder Aufzeichnungen, oder das genaue Nachverfolgen, wo und mit wem sich Entscheidungsträger getroffen haben.
  • die Kronzeugenregelung; § 46b StGB ermöglicht es den Strafgerichten, wenn ein Täter „...durch freiwilliges Offenbaren seines Wissens wesentlich dazu beigetragen hat, dass eine Tat nach § 100a Abs. 2 der Strafprozessordnung aufgedeckt werden konnte...“ die Strafe zu mildern oder ganz von Strafe abzusehen, sofern das Hauptverfahren noch nicht eröffnet worden ist.
  • die Analyse von Marktdaten, z.B. Zeitreihenanalyse von Verkaufspreisen im Lebensmitteleinzelhandel
  • die Analyse der Kommunikation (z.B. der E-Mails) zwischen Wettbewerbern mittels IT-Forensik.