Diebstahl von unbarem Vermögen Teil 1: Überblick

Unbares Vermögen - meistens in Form von Schecks - gehört neben Bargeld zu den am einfachsten zu unterschlagenden bzw. stehlenden Vermögensgegenständen in einer Organisation.

Der Artikel gibt im ersten Teil einen Überblick und zeigt im zweiten - geschützten - Teil auf, welche Präventionsmaßnahmen durch die Interne Revision eingesetzt werden können, um Diebstahl und Unterschlagung zu verhindern.

 

Diebstahl von unbarem Vermögen

 Begriff

Unter Diebstahl bzw. -unterschlagung verstehen wir alle Tatbilder, wo sich Mitarbeiter eines Unternehmens unbares Vermögen (vor allem Schecks) gegen den Willen des Unternehmens aneignen. Nicht gemeint ist hier der Scheckbetrug, wenn der Täter im Zahlungsverkehr einen Scheck zur Zahlung vorlegt, obwohl er weiß, dass er nicht gedeckt oder gefälscht ist.

Diebstahl ist im § 242 StGB beschrieben: Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Versuch ist bereits strafbar.

Beschrieben ist die Unterschlagung im § 246 StGB: Wer sich eine fremde bewegliche Sache oder einem Dritten rechtswidrig zueignet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Ist die Sache dem Täter anvertraut, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Hierbei ist bereits der Versuch strafbar.

 

Beispiel Scheckfraud

Schecks haben in vielen Ländern in den letzten Jahren stark an Bedeutung verloren, in den USA und in südeuropäischen Ländern aber sind Schecks nach wie vor ein wesentliches Zahlungsmittel; dort werden sie per Post versandt, Scheck-Fraud ist daher ein gravierendes Problem.

Aus Sicht der Wirtschaftskriminellen sind Schecks – im Gegensatz zu Bargeld – nicht ungefährlich, denn ein eingelöster Scheck gibt (über Indossament, Bankstempel u.ä.) Hinweise über Person und Ort der Einlösung. Wie stellen es Täter an, Schecks in Bargeld zu verwandeln?

Eine Variante ist die Benutzung von gleichnamigen oder namensähnlichen Konten zur Einreichung. Dazu braucht ein Täter aber gefälschte Dokumente oder einen zumindest schlampigen Mitarbeiter in der (anderen) Bank für die Kontoeröffnung. Oder ein für geschlossen gehaltenes Konto bei der Hausbank existiert und wird für die Einlösung unterschlagener Schecks verwendet.

Eine andere Tatbegehungsform ist, wenn der Scheckempfänger (z.B. in einem Amt) bei einer Einzahlung per Scheck dafür keine Quittung ausstellt, aber die Bargeldeinzahlung quittiert und den Scheck einfach entgegennimmt. Der Empfänger hat nun Bargeld, dokumentiert durch Quittungen bzw. Kassabucheintragungen und einen nirgends verzeichneten Betrag in Form von Schecks. Er tauscht dann einfach Schecks gegen Bargeld. Dabei bleiben aber Kundenforderungen offen, was weitere Verschleierungen oder Fälschungen durch den Täter bedarf.

Auch Zahl- bzw. Erlagscheinfälschungen sind hier zu nennen. Lieferanten schicken oft (vorbedruckte) Zahl- oder Erlagscheine als Allonge zu den Rechnungen an Abnehmer mit. Diese können sie im Kreditinstitut oft selbst abstempeln und in eine spezielle Box abgeben. Die Bearbeitung dieser Scheine erfolgt oft ohne besondere Prüfmaßnahmen.

Täter haben sich darauf spezialisiert, die zur Überweisung in die Box eingeworfenen Belege wieder heraus zu holen, sich Namens-, Adress- und Kontodaten anzueignen, damit neue Überweisungen mit leeren Zahl- bzw. Erlagscheinen zu fabrizieren, unter Vorlage gefälschter Personaldokumente ein Bankkonto zu eröffnen und die Zahl- bzw. Erlagscheine zur Überweisung zu bringen. Der Kontostand wird dann sofort wieder „leergeräumt“.

Den Schaden trägt meist die Bank, da ihr Mangel an Sorgfalt vorgeworfen werden kann. Viele Banken haben daher schon die Boxen durch sicherere Einwurfbehälter (Lockboxen) ersetzt.